PD Dr. Bernward Hinkes - Dr. Thorsten Fröhlich - Dr. Klaus Skrodzki

Kindernephrologie - Kinderrheumatologie - Kindergastroenterologie - Neonatologie - Pädiatrische Ernährungsmedizin - ADHS-Sprechstunde

Informatives zum Thema ADHS:

Hyperaktivität  - 
Zeichen des Zeitgeistes oder Herausforderung unserer Zeit?

„Unsere Kinder heute sind ablenkbar, unruhig und unaufmerksam. Sie haben keine Geduld, wollen nichts leisten und sind gewaltbereit!“ (Presse)

ADHS – Aufmerksamkeits-defizit-störung -  ist weltweit die häufigste psychische Störung im Kindes-, Jugend- und auch im Erwachsenenalter. In Deutschland  sind ca. 400.000 Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren betroffen. Eine „Entwicklungsstörung der Selbstkontrolle“ (Barkley)  führt zu unsystematischer und langsamer Aufgabenlösung, Ablenkbarkeit und Frustrationsintoleranz. Nicht alle diese Kinder zappeln – wenn die Unaufmerksamkeit im Vordergrund steht, sprechen wir vom vorwiegend unaufmerksamen Typ „ADS“ -  aber alle fallen auf: in der Schule, im häuslichen und sozialen Umfeld und bereitet Eltern, Erziehern und sich selbst erhebliche Schwierigkeiten. Von Geburt an ablenkbar, erregbar, redselig und ungebremst, haben sie nur ein Gas- aber kein Bremspedal. Sie können nicht still sitzen, nicht zuhören, nicht folgen, nicht warten, nicht aufhören und erkennen Grenzen und Gefahren nicht. Trotz Fantasie, Kreativität und unerschöpflichen Ideen sind sie meist unzufrieden und unglücklich, da sie abgelehnt werden. Sie agieren als Klassenclown und Außenseiter ohne bleibenden Freunde.  Teilleistungsstörungen, wie z. B. Lese- Rechtschreibschwäche oder Rechenschwäche, behindern ihr schulisches Weiterkommen zusätzlich und sorgen für schlechte Schulabschlüsse.

Angeborene – genetische - Veränderungen in der Struktur und Zusammenarbeit verschiedener Hirnbereiche und der Chemie unserer Botenstoffe führt zu den beschriebenen Auswirkungen. Nicht unsere modernen Zeit ist dafür verantwortlich (man denke an Struwwelpeter und Zappelphilipp), aber die Reizzunahme aus unserer Umwelt, hohes Tempo  und unklare Erziehungsstrukturen verstärken die Probleme.


Diese Störung muss frühzeitig erkannt und Hilfen angeboten werden. Die Kinder brauchen Unterstützung und soziale Förderung, um Bewegung, Wahrnehmung und soziales Verhalten zu erlernen. Die Eltern brauchen Psychoedukation – d.h. Information und Beratung  - keine Vorwürfe und Besserwisserei - um ein klares Erziehungskonzept zu entwickeln mit Regeln, Grenzen und Konsequenzen. Sie brauchen aber auch Verständnis in der Gesellschaft für den schwierigen Umgang mit diesen Kindern. Meist ist  auch medizinische Hilfe nötig mit speziellen Medikamente, die Wahrnehmung und Aufmerksamkeit verbessern durch Normalisierung der Informationsleitung im Gehirn. Es ist ein Irrtum, dass diese Probleme sich in der Pubertät auswachsen – mehr als die Hälfte der Patienten hat im Erwachsenenalter weiterhin Probleme und braucht Unterstützung.


Nur in Zusammenarbeit von Elternhaus und Schule, Ärzten, Pädagogen, verschiedenen Therapeuten und schließlich Ausbildern und Betrieben, in der Betreuung dieser unsichtbaren Behinderung, können diese Kinder und Jugendlichen später ein normales Leben führen und ihre Fähigkeiten zum Tragen bringen. Die Politik – sowohl Gesundheits- als auch Sozialministerium - stehen in der Verantwortung die Basis zu schaffen und Hilfen zu gewähren. Und hier ist noch viel zu tun!

Informationsblatt ADHS von Dr. Skrodzki als PDF zum download:


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